Hiob zu den Freunden

Hiobs Antwort an Bildad (Hiob 19,21‒27) 

HÖRBIBEL
LUTHERBIBEL (2017)

21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

23 Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24 mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! 25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26 Nachdem meine Haut so zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen. 27 Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

ANMERKUNG ZU HIOB 19,25-27

Luther (1545): 25 Aber ich weis das mein Erlöſer lebet / vnd er wird mich hernach aus der Erden auffwecken. 26 Vnd wer­de dar­nach mit die­ſer meiner haut vmbgeben wer­den / vnd wer­de in meinem fleiſch Gott ſe­hen. 27 Den ſelben wer­de ich mir ſe­hen / vnd meine augen wer­den jn ſchaw­en / vnd kein frembder. Meine nieren ſind verzeret in meinem ſchos

  • Randnote: (Erlöser) Retter, vindex [.]
    Qvia Christvs vindicat nos contra Homicidam nostrvm Diabolvm.
    [“Denn Christus verteidigt (od. rettet) uns gegen unseren Mörder, den Teufel.”]

Latein (Vulgata): 25 scio enim quod redemptor meus vivat et in novissimo de terra surrecturus sim 26 et rursum circumdabor pelle mea et in carne mea videbo Deum 27 quem visurus sum ego ipse et oculi mei conspecturi sunt et non alius reposita est haec spes mea in sinu meo

Althebräisch (BHS): 25 Wä-ani yadaʿti go’ali [גֹּ֣אֲלִי] chai, wä-achron ʿal ʿafar yakum. 26 Wä’achar ʿori nikfu-zot, umibsari ächäzäh äloha. 27 Aschär ani ächsäh-li wä-ʿenai ra’u wälo-zar, kalu kilyotai bechekai.

Buber: 25 da ich doch weiß, mein Auslöser lebt, und als der Spätgekommne wird vortreten er überm Staub, 26 und noch nachdem meine Haut, dies da, zerfetzt ist, noch von meinem Fleisch aus werde ich Gott schauen. 27 Was ich selber mir erschaue, meine Augen sehn, nicht eines Fremden, in meinem Leib verzehren sich danach meine Nieren.

Altgriechisch (LXX): 25 Oída gar hóti aénaós estin ho eklýein me mélloon epí gees. 26 Anastéesai to dérma mou to anatlóon tauta: pará gar kyríou tautá moi synetelésthee, 27 ha egóo emautóo synepístamai, ha ho ofthalmós mou heóraken kai ouk állos: pánta de moi syntetélestai en kólpo.

Gese (Hiob): 25 Ich selbst weiß, dass mein Erlöser lebt, als letzter steht er auf über dem Staub (meines Leichnams), 26 und nachdem meine Haut so geschunden, und auch ohne mein Fleisch schaue ich Gott, 27 ja, ich selbst werde ihn für mich schauen, meine eigenen Augen sehen ihn, nicht ein Fremder, mögen auch meine Nieren in meinem Innern geschwunden sein.

Zürcher: 25 Ich aber weiss: Mein Anwalt lebt, und zuletzt wird er sich über dem Staub erheben. 26 Und nachdem meine Haut so zerschunden wurde, werde ich Gott schauen ohne mein Fleisch. 27 Ich werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen und niemand sonst. In meinem Innern verzehren sich meine Nieren.

BasisBibel: 25 Ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt. Als mein Anwalt wird er auf der Erde auftreten und zum Schluss meine Unschuld beweisen. 26 Mit zerfetzter Haut stehe ich hier. Abgemagert bin ich bis auf die Knochen. Trotzdem werde ich Gott sehen. 27 Ich werde ihn mit meinen Augen sehen, und er wird für mich kein Fremder sein. So wird es sein, auch wenn ich schon halb tot bin.


Hiobs Reinigungseid und Appell an Gott (Hiob 31:9‒40a)  

HÖRBIBEL
LUTHERBIBEL (2017)

9 Hat sich mein Herz betören lassen um einer Frau willen und hab ich an meines Nächsten Tür gelauert, 10 so soll meine Frau einem andern mahlen, und andere sollen bei ihr liegen. 11 Denn das ist eine Schandtat und eine Schuld, die vor die Richter gehört. 12 Ja, das ist ein Feuer, das bis in den Abgrund frisst und all meine Habe bis auf die Wurzel vernichtet.

13 Hab ich missachtet das Recht meines Knechts oder meiner Magd, wenn sie eine Sache wider mich hatten, 14 was wollte ich tun, wenn Gott sich erhebt, und was würde ich antworten, wenn er heimsucht? 15 Hat nicht auch ihn erschaffen, der mich im Mutterleibe schuf, hat nicht der Eine uns im Mutterschoß bereitet?

16 Hab ich den Bedürftigen ihr Begehren versagt und die Augen der Witwe verschmachten lassen? 17 Hab ich meinen Bissen allein gegessen, und hat nicht die Waise auch davon gegessen? 18 Nein, ich habe sie von Jugend auf gehalten wie ein Vater, und ich habe sie von Mutterleib an geleitet. 19 Hab ich zugesehen, wie jemand ohne Kleid verkommen ist, und den Armen ohne Decke gehen lassen? 20 Hat er mich nicht gesegnet, wenn er von der Wolle meiner Lämmer erwärmt wurde? 21 Hab ich meine Hand gegen eine Waise erhoben, weil ich sah, dass ich im Tor Helfer hatte? 22 Dann falle meine Schulter vom Nacken und mein Arm breche aus dem Gelenk! 23 Denn der Schrecken Gottes käme über mich und ich könnte seine Hoheit nicht ertragen.

24 Hab ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zum Feingold gesagt: »Mein Trost«? 25 Hab ich mich gefreut, dass ich großes Gut besaß und meine Hand so viel erworben hatte? 26 Hab ich das Licht angesehen, wenn es hell leuchtete, und den Mond, wenn er herrlich dahinzog, 27 dass sich mein Herz heimlich betören ließ, ihnen Küsse zuzuwerfen mit meiner Hand? 28 Das wäre auch eine Missetat, die vor die Richter gehört; denn damit hätte ich verleugnet Gott in der Höhe.

29 Hab ich mich gefreut, wenn’s meinem Feinde übel ging, und mich erhoben, weil ihn Unglück getroffen hatte? 30 Nein, ich ließ meinen Mund nicht sündigen, dass ich verwünschte mit einem Fluch seine Seele. 31 Haben nicht die Männer in meinem Zelt sagen müssen: »Wo ist einer, der nicht satt geworden wäre von seinem Fleisch?« 32 Kein Fremder durfte draußen zur Nacht bleiben, sondern meine Tür tat ich dem Wanderer auf.

33 Hab ich meine Übertretungen, wie Menschen tun, zugedeckt, um heimlich meine Schuld zu verbergen, 34 weil ich mir grauen ließ vor der großen Menge und die Verachtung der Sippen mich abgeschreckt hat, sodass ich still blieb und nicht zur Tür hinausging?

38 [1] Hat mein Acker wider mich geschrien und haben miteinander seine Furchen geweint, 39 hab ich seine Früchte unbezahlt gegessen und seine Besitzer seufzen lassen? 40 Dann sollen mir Disteln wachsen statt Weizen und Unkraut statt Gerste.

35 O hätte ich einen, der mich anhört – hier meine Unterschrift! Der Allmächtige antworte mir! –, oder die Schrift, die mein Verkläger geschrieben! 36 Wahrlich, dann wollte ich sie auf meine Schulter nehmen und wie eine Krone tragen. 37 Ich wollte alle meine Schritte ihm ansagen und wie ein Fürst ihm nahen.

ANMERKUNG ZU HIOB 31,38 ff (aus Luther 2017)

Der Zusammenhang erfordert die hier vorgenommene Umstellung der Verse 38-40a.