Anfang der Rede aus dem Wettersturm (Hiob 38,1‒11)
HÖRBIBEL
LUTHERBIBEL (2017)
1 Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:
2 Wer ist’s, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand? 3 Gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich! 4 Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist! 5 Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Messschnur gezogen hat? 6 Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, 7 als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Gottessöhne jubelten? 8 Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß, 9 als ich’s mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln, 10 als ich ihm seine Grenze bestimmte und setzte ihm Riegel und Tore 11 und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?
Anfang der Rede über den Leviatan (Hiob 40,25-32)
HÖRBIBEL
LUTHERBIBEL (2017)
25 Kannst du den Leviatan am Haken ziehen und sein Maul mit einem Strick niederhalten? 26 Kannst du ihm ein Binsenseil an die Nase legen und mit einem Haken ihm die Backen durchbohren? 27 Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte geben? 28 Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knecht bekommst? 29 Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Mädchen anbinden? 30 Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler ihn verteilen? 31 Kannst du mit Spießen spicken seine Haut und mit Fischerhaken seinen Kopf? 32 Lege deine Hand an ihn! An diesen Kampf wirst du denken und es nicht wieder tun!
ANMERKUNG ZUM LEVIATAN
Sacherklärung der BasisBibel:
“Chaoswesen, das im Meer lebt. Im Alten Testament ist es Sinnbild für die tobenden Wasserfluten, die die Welt bedrohen.
Das Wort »Leviatan« kommt aus dem Hebräischen und bedeutet »der sich Windende«. Als Leviatan wird im Alten Testament ein Seeungeheuer mit mehreren Köpfen (Psalm 74,14) bezeichnet, das sich Gott und seiner Schöpfermacht entgegenstellt und von Gott besiegt wird. Meist wird der Leviatan als Schlange oder Drache beschrieben (Jesaja 27,1), in Ijob 40,25–41,26 auch als Krokodil.
Die Vorstellung des Leviatan hat das Volk Israel wahrscheinlich von seinen Nachbarvölkern übernommen. So ist in der syrischen Küstenstadt Ugarit das Seeungeheuer Lotan belegt (eine Verkörperung des Meeresgottes Jam), das wie der biblische Leviatan als mehrköpfige Schlange beschrieben wird. Wie Lotan von dem Götterpaar Baal und Anat besiegt wird, so wird der Leviatan von Gott überwunden.
Von einer solchen Vernichtung des Leviatan ist in der Bibel in Zusammenhang mit den Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt die Rede: Wenn es um die Erschaffung der Welt geht, steht der Leviatan zusammen mit der Urflut für die Macht des Chaos, das Gott bei der Schöpfung überwindet: Die Trennung der Wassermassen in die zwei Bereiche über dem Himmel und unter der Erde und die Zerstückelung des Leviatan gehören in Psalm 74,13-14 zusammen. In Psalm 104,26 gilt der Leviatan sogar als Geschöpf Gottes, das im Meer spielt und wie alle anderen Geschöpfe ganz von seinem Schöpfer abhängig ist. Entsprechend gehört zum Gericht Gottes am Ende der Zeit auch die Abrechnung mit dem Leviatan als dem Inbegriff dessen, was Gott und seiner Herrschaft entgegen steht (Jesaja 27,1).
Der ebenfalls in der Bibel erwähnte Meeresdrache Rahab (Ijob 26,12; Psalm 89,11; Jesaja 51,9) ist mit dem Leviatan gleichbedeutend.
In einem Atemzug mit dem Leviatan wird im Buch Ijob (Ijob 40,15-32) auch das Ungeheuer Behemot erwähnt, das einem übergroßen Nilpferd gleicht. Behemot und Leviatan sind beide Wesen, mit denen es nur Gott aufnehmen kann.”
- Vgl. die jeweiligen Artikel im Wissenschaftlichen Bibellexikon im Internet (WiBiLex) und in der Wikipedia
Ende der Rede über den Leviatan (41,16-26)
HÖRBIBEL
LUTHERBIBEL (2017)
16 Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie der untere Mühlstein. 17 Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und wenn er hervorbricht, weichen sie zurück. 18 Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus, auch nicht Spieß, Geschoss und Speer. 19 Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz. 20 Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Spreu. 21 Die Keule achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze. 22 Unter seinem Bauch sind scharfe Spitzen; er fährt wie ein Dreschschlitten über den Schlamm. 23 Er macht, dass die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt. 24 Er lässt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar. 25 Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht. 26 Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle Stolzen.