Harms to Rudin, Hermannsburg 1865.02.27
Ludwig Harms (1808‒65) founded the German Hermannsburg Mission Center in 1849.
Waldemar Rudin served as the head of the Swedish Evangelical Mission’s training institute from 1862 to 1869 and selected the Red Sea coast as the organization’s first foreign mission field.
(1) English translation of the letter
My dear brother!
I finally get around to answering your lovely letter. The delay in my reply is due to the late arrival of some messages, which I wanted to collect before I write to you. —
First, I would like to warn you urgently that you do not place yourself in a dependent relationship with any other missionary society. If your missionary work is to thrive, it must be completely independent. Do not associate yourself with Leipzig; it would result in nothing other than subordination. A joint mission with Hermannsburg is also not possible. Even if it hadn’t occurred to any of us to want to lead, there would still be unavoidable friction among our missionaries, which could disrupt and embitter the whole work, as I have recently experienced in our relations with the Norwegians. Each mission must have its own business and sphere of activity. Then there can be a friendly relationship with others, and even mutual help can take place.
As for the remainder of your letter, the question is: Where should we send them [the missionaries]? First, I strongly advise you against Krapf’s suggestions. Krapf is a much-famous and also tempted man, but (I’m speaking to you confidentially) an adventurer and fantasist, full of beautiful, pretty-looking but impossible ideas. If you agree to his plans, you will come into close contact with the uniting Baselers [i.e., St. Chrischona Pilgrim Mission], who are averse to all denominations. This cannot be maintained for Lutherans in the long term, especially since you will become completely dependent on the Basel stations. They further come into contact with the monster [Emperor] Tewodros, through whom every Christian influence on [p. 378] the non-Christians must be destroyed, because under the pretext of religion, he wages the most cruel war of destruction against the non-Christians, and does not allow any evangelical activity in his country that does not place itself under the authority of his Abuna. For example, no convert may be baptized in anything other than the Coptic Church. If you now send your missionaries out to the banks of the Blue River in the middle of Africa, you have put your mission in the air, because you have no link behind you but the Basel “Apostles’ Stations,” which are not yours, and in front of you nothing but the non-Christians or the monster Tewodros.
If you wish to carry out your original plan and go to the Oromo, then, in my opinion, the safest and best way is by sea via Zanzibar. Firstly, the mission in East Africa is now free. The current consul in Zanzibar has obtained a decree from the Imam that all evangelical missionaries may work unhindered in East Africa. He himself has asked me to send missionaries now. I cannot do so at the moment because of other commitments, but out of heartfelt love, I would gladly leave this field to you, perhaps to continue working alongside you there later, God willing.
Missionary Rebmann (a Lutheran missionary, although serving the Church Missionary Society in England, who lives opposite Mombasa in Rabba M’Pia, a station among the Wanika, and is eager to help) suggests a station under a well-intentioned chief living nearby on the coast opposite Mombasa, but a little further north, who maintains a very lively trade with the [Oromo]. Every year, an [Oromo] caravan travels as far as four miles from the coast, sets up camp there for four to six weeks, and during that time engages in barter trade with the chieftain and his subjects. This would allow your missionaries to become acquainted with the [Oromo], learn their language and customs, and gain the opportunity and insight to venture further inland. You would then have everything that promises success: the open sea route from your homeland to Zanzibar, the protection of the English consul, a stable coastal station, Rebmann’s assistance, and established trade with the [Oromo]. It then depends on the climate; [p. 379] Rebmann has worked there on the coast for many years and has remained healthy. They would then bring their missionaries to Zanzibar, consult with Rebmann from there, and then take over the rest. —
If you wish to send your missionaries to India, then the land of Sikh, or the land at the foot of the northern mountains, which is easily accessible from Kolkata [formerly known as Calcutta] via the Ganges, seems to me the most suitable and promising region, where the Lutheran mission can spread most freely. The area is also the healthiest.
Now, God be with you, dear brother. God bless you and your missionaries. I faithfully pray for you and your house. Please give my warmest regards to all its inhabitants!
In brotherly love and intercession
Yours, L. Harms
Hermannsburg, February 27, 1865
(2) German text
Mein teurer Bruder!
Endlich komme ich dazu, Ihren lieben Brief zu beantworten. Die Verzögerung meiner Antwort hat ihren Grund in der verspäteten Ankunft einiger Nachrichten [u.a. von Rebmann?], die ich einziehen wollte, ehe ich Ihnen schreibe. —
Zuerst warne ich Sie dringend, dass Sie sich ja nicht in irgendein Abhängigkeitsverhältnis stellen zu irgendeiner anderen Missionsgesellschaft. Soll Ihr Missionswerk gedeihen, so muss es durchaus selbständig sein. Verbinden Sie sich nicht mit Leipzig; daraus würde nichts anderes als Unterordnung hervorgehen. Auch eine gemeinschaftliche Mission mit Hermannsburg geht nicht an. Würde es auch keinem von uns einfallen, die Herrschaft führen zu wollen, so würden doch unter unsern beiderseitigen Missionaren Reibungen unausbleiblich sein, die das ganze Werk stören und verbittern könnten, wie ich es auch in unsern Beziehungen zu den Norwegern neuerdings erfahren habe. Jede Mission muss ihren Geschäfts- und Wirkungskreis nur für sich haben. Dann kann daneben ein freundliches Verhältnis zu andern bestehen, ja gegenseitige Aushilfe geschehen.
Was nun den weiteren Inhalt Ihres Briefes betrifft, so ist das die Frage: Wohin sollen wir senden? Da rate ich Ihnen zuerst entschieden von Krapfs Vorschlägen ab. Krapf ist ein vielberühmter und auch versuchter Mann, aber, (ich rede vertraulich zu Ihnen) ein Abenteurer und Phantast, voll schöner, hübsch aussehender, aber unausführbarer Ideen. Sie kommen, wenn Sie auf seine Pläne eingehen, in die engste Berührung mit den unierten, aller Konfession abgeneigten Baselern [i.e., St. Chrischona], die sich für Lutheraner auf die Länge nicht halten lässt, zumal da Sie ganz von den Baseler Stationen abhängig werden. Sie kommen weiter in Berührung mit dem Unmenschen Theodorus, durch welche jeder christliche Einfluss auf [p. 378] die Heiden vernichtet werden muss, denn er führt unter dem Vorwande der Religion den grausamsten Vernichtungskrieg gegen die Heiden, und lässt dabei in seinem Lande gar keine evangelische Wirksamkeit zu, die sich nicht unter die Autorität seines Abuna stellt; so darf z.B. kein Bekehrter anders als koptisch getauft werden. Wenn Sie nun Ihre Missionare mitten in Afrika an die Ufer des blauen Flusses hinausschicken, so haben Sie Ihre Mission in die Luft gestellt, weil Sie kein Verbindungsglied hinter sich haben, als die Baseler Apostelstationen, die nicht die Ihrigen sind, und vor sich nichts als die Heiden oder den Unmenschen Theodorus.
Wollen Sie Ihren ursprünglichen Plan ausführen und zu den [Oromo] gehen, so ist, nach meiner Überzeugung, der sicherste und beste Weg zur See über Sansibar. Denn erstens ist die Mission in Ostafrika jetzt frei. Der jetzige Konsul in Sansibar hat die Verordnung vom Imam erlangt, dass alle evangelischen Missionare ungehindert in Ostafrika arbeiten dürfen. Er hat mich selbst aufgefordert, jetzt Missionare zu senden. Ich kann es jetzt nur nicht wegen der anderen Verpflichtungen, die ich eingegangen bin, würde aber Ihnen aus herzlicher Liebe dieses Feld gern überlassen, um vielleicht später neben Ihnen dort fortzuarbeiten, wenn Gott es will.
Missionar Rebmann (ein lutherischer Missionar, obwohl im Dienst der kirchlichen Missionsgesellschaft in England, welcher Mombasa gegenüber in Rabba M’Pia, einer Station unter den Wanika, wohnt, und gerne helfen will) schlägt mir eine Station unter einem in seiner Nähe wohnenden gutwilligen Häuptling vor, der an der Küste wohnt, Mombasa gegenüber, aber etwas weiter nördlich, der in sehr lebhaftem Handelsverkehr mit den [Oromo] steht. Jedes Jahr kommt eine [Oromo]karawane bis auf vier Meilen von der Küste, schlägt dort für vier bis sechs Wochen ein Lager auf und treibt während dieser Zeit mit dem Häuptling und seinen Untertanen einen gegenseitigen Tauschhandel. Dadurch könnten Ihre Missionare Bekanntschaft mit den Oromo machen, deren Sprache und Sitten kennenlernen und Gelegenheit und Erkenntnis erhalten, in das Innere zu dringen. Sie haben dann alles, was ein Gelingen verheißt: den offenen Seeweg von der Heimat nach Sansibar, den Schutz des englischen Konsuls, eine feste Küstenstation, Rebmanns Beistand und angebahnten Verkehr mit den Oromo. Es kommt dann auf das Klima an; [p. 379] Rebmann hat schon lange Jahre dort an der Küste gearbeitet und ist noch gesund geblieben. Sie würden dann Ihre Missionare nach Sansibar bringen, von dort mit Rebmann sich besprechen und dann das Weitere übernehmen. —
Wollen Sie aber Ihre Missionare nach Indien schicken, so scheint mir dort das Land Sihks, oder auch das Land am Fuße der nördlichen Gebirge, welches auf dem Ganges von Kalkutta aus leicht zu erreichen ist, das geeignetste und versprechendste Gebiet, wo auch die lutherische Mission sich am ungehindertesten ausbreiten kann. Auch ist dort die Gegend am gesündesten.
Nun Gott befohlen, lieber Bruder. Gott segne Sie und Ihre Missionare. Ich bete treu für Sie und Ihr Haus. Grüßen Sie alle Bewohner desselben herzlich!
In brüderlicher Liebe und Fürbitte
Ihr L. Harms
Hermannsburg, den 27. Februar 1865
Source: Bauerochse, Ihr Ziel war das Oromoland, p. 377‒79
[Language and spelling slightly modernized.]
Original deposited in the EFS [SEM] Historical Archives
[Ref. no.: St 1.2/ E 1 3]
Notes
[work in progress]
1) Two attempts of Hermannsburg missionaries to reach the Oromo in 1853/54 and 1857/58 failed. On these unsuccessful attempts, see Bauerochese, Ihr Ziel war das Oromoland, pp. 39‒98.
2) Confusion of Baselers and St. Chrischona Pilgrim Mission (?)
Further reading
Bauerochse, Ernst. Ihr Ziel war das Oromoland: Anfänge der Hermannsburger Mission in Äthiopien (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Hermannsburger Mission und des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen 14). Münster: Lit, 2006. [View online]