(1) Ruufoo [probably to St. Chrischona Mission Inspector C. H. Rappard], October 13, 1870
1.1 English translation
Cairo, 13 October 1870
The Savior, who says: “I am with you every day”, be and remain with us! I received your lovely letter of August through Mr. Flad, who travelled back to Abyssinia via here. It gave me great joy to hear from my dear Chrischona here and there. I travelled from Jerusalem to Cairo to see Brother [Pankratius] Stamm because my health was not improving in Palestine. But even here I am still very weak, although the air here is better than in Jerusalem. When I think that I have not yet become much healthier, or perhaps will not become completely healthy again, I find comfort in Exodus 15:26; Romans 5:3-5 and James 1:12. [Bible texts available at Biblegateway.com]
It gives me little pleasure to tell you about the city of Cairo. The city is a worldly city, despite the fact that so many of its inhabitants are called ‘Christians’. No light emanates from their Christianity to enlighten the Gentiles, as Jesus says: “You are the light of the world”. Indeed, they are often worse in commerce and conduct than the Muslims and pagans (cf. Revelation 18:2, 3).
Dr Krapf has already written to me twice. The venerable man is doing a great deal for the mission in Africa and also among the Oromo. I am glad to do some work in my fatherland. However, I think that the Kingdom of God does not go as fast as a locomotive. Rather, the Kingdom of God goes slowly, but it still achieves its purpose!
1.2 German original
Kairo, 13. Oktober 1870
Der Heiland, welcher spricht: Ich bin bei euch alle Tage, sei und bleibe bei uns! Ihren lieben Brief vom August habe ich durch Herrn Flad erhalten, welcher über hier wieder nach Abessinien reiste. Es machte mir eine große Freude, wenn ich hie und da von meiner lieben Chrischona etwas höre. Ich bin von Jerusalem hieher nach Cairo zu Br. Stamm gekommen, weil meine Gesundheit in Palästina nicht besser wurde. Aber auch hier steht es mit mir immer noch sehr schwach, obwohl die Luft hier besser ist, als in Jerusalem. Auch bei dem Gedanken, dass ich bis jetzt nicht viel gesünder geworden bin, oder vielleicht nicht mehr ganz gesund werden werde, finde ich Trost in 2. Mos. 15, 26; Röm. 5, 3-5 und Jak. 1, 12.
Von der Stadt Cairo Ihnen zu berichten, macht mir wenig Freude. Die Stadt ist eine Weltstadt, trotzdem dass hier eine so große Menge der Einwohner “Christen” heißen. Von ihrem Christenthum geht kein Licht aus, die Heiden zu erleuchten, wie Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt. Ja, sie sind oft im Handel und Wandel schlechter als die Muhamedaner und Heiden (Offb. 18, 2. 3). Herr Dr. Krapf hat mir schon zweimal geschrieben. Der ehrwürdige Mann tut sehr viel für die Mission in Afrika und auch unter den Galla; ich habe Freudigkeit, in meinem Vaterland etwas zu arbeiten; aber ich meine, das Reich Gottes geht nicht schnell wie mit der Locomotive, sondern das Reich Gottes geht langsam, aber es erreicht seinen Zweck doch.
Source: Smidt, Briefe 1869-78,
p. 5‒6 (Academia.edu); orthography updated
[* Mittheilungen, no. 6, Dec. 1870, p. 22]
(2) Ruufoo [probably to Joh. Ludwig Krapf], October 20, 1870
2.1 English translation
[Kairo, October 20, 1870]
If men of faith like you are to begin something for the Kingdom of God, they must stand on the firm foundation of faith and hold fast to that faith. Look across to [Oromo] land, which is in darkness without the light of the Gospel. I would very much like to travel to Gumma [Qubee: Guummaa], where King [Ǧaawe] Ončo is still alive and is the greatest king among the [Oromo], that is, if the Committee [i.e., Mission Board] approves it. I can travel easily through Abyssinia because I know the language. There is a caravan route from Godscham [Gojjam] to Gumma. But not as I will, but as Jesus wills; his will be done.
An Abyssinian who was in [Oromo] land recently told me that the Catholics in [Oromo] land are making significant progress. They have already built seven churches in Kaffa and three in Guderu [Guduru]. The Abyssinian monks are helping them. In Cairo, they also have many [Oromo] boys and girls in their schools. Soon our hour will come when we can preach the Gospel. God grant it.
I have translated the Biblische Geschichte (“biblical story”) by the Inspector of the deaf-mute institution in Riehen, [Wilhelm] Arnold, into the [Oromo] language using Latin characters, and I will also create an [Oromo] dictionary.
2.2 German original
[Kairo, 20. Oktober 1870]
Wenn Glaubensmänner, wie ihr seid, etwas für das Reich Gottes anfangen, so müssen sie auf dem festen Grund des Glaubens stehen und im Glauben festhalten. Schaut hinüber in’s Galla-Land, das in Finsternis steht ohne Licht des Evangeliums. Ich möchte sehr gerne nach Guma, wo der König Odscho noch lebt und der größte König unter den Gallas ist, eine Reise machen, d.h. wenn das Komitee [Missionsvorstand] es bewilligt. Ich kann gut durch Abessinien reisen, weil ich die Sprache kann. Von Godscham aus geht ja eine Karawanenstraße nach Guma. Aber nicht wie ich will, sondern wie Jesus will; sein Wille geschehe.
Ein Abessinier, der im Galla-Land war, hat mir neulich erzählt, dass die Katholiken im Galla-Land große Fortschritte machen. In Kaffa haben sie schon sieben und in Guderu drei Kirchen erbaut. Die abessinischen Mönche kommen ihnen zu Hilfe. In Kairo haben sie auch viele Galla-Knaben und Mädchen in ihren Schulen. Bald wird auch unsere Stunde kommen, wo wir auch das Evangelium predigen können. Gott gebe es.
Ich habe die Biblische Geschichte von Herrn Inspektor [Wilhelm] Arnold in Riehen in die Galla-Sprache übersetzt mit lateinischen Buchstaben, und werde auch ein Galla-Wörterbuch machen.
Source: Jahresbericht für die Theilnehmer an der Zwei-Centimes-Collekte 10 (1870), p. 4; orthography updated
[View online]
Full references
Jahresbericht für die Theilnehmer an der Zwei-Centimes-Collekte zum Besten der Pilger-Mission auf St. Chrischona bei Basel 10 (1870).[Available at the Library and Archives of Theologisches Seminar St. Chrischona].
Mittheilungen aus der Correspondenz der Pilgermission [Available at the Library of Theologisches Seminar St. Chrischona; Ref. Code: EK 1.1 Mitt (PM048633)]
Smidt, Wolbert G. C. “Deutsche Briefe von Äthiopiern aus der Protestantischen Mission: Vom Fall des Téwodros bis zur Unterwerfung des Königs Minílik (1869 bis 1878),” Orientalia Parthenopea 8 (2008): 9‒56. [View at academia.edu]